Home Ambitionierte Fotografie Wählst du deine Brennweite nach Model-Typ oder Mood? Hiernach vielleicht schon.

Wählst du deine Brennweite nach Model-Typ oder Mood? Hiernach vielleicht schon.

written by Lichtrebell 29. Juli 2016

Wählst du deine Brennweite nach Model-Typ oder Mood? Hiernach vielleicht schon.

Die meisten wissen, dass ein Weitwinkel verzerrt oder Tele Brennweiten das Bild bügeln. Aber wenige wissen, dass diese Eigenschaften für Model und sogar Stimmung im Bild (Mood) außerordentlich wichtig sind. Ich bin mir sicher, dass nach diesem Beitrag selbst viele erfahrene Fotografen, etwas mitnehmen können.

 

 

Das offensichtliche zuerst

Schauen wir uns zunächst mal folgende GIFs an. Danach werde ich einige Erkenntnisse mit euch teilen:
Brennweite-Kompression

GIF-Autor unbekannt. Wir sehen was es mit der Verzerrung und der Kompression des Hintergrunds auf sich hat. Im Weitwinkel-Bereich ist das Gesicht spitzer, und der Baum liegt in der Ferne.

Nehmen wir eine längere Brennweite rückt der Baum immer näher. Das Model scheint kräftiger und das Gesicht wird flacher.

 

 

Ein weiteres Beispiel, von Dan Vojtech:

Verzerrung

 

Brennweite und Kompression

In dem oben gezeigten GIFs steht das Model immer an der gleichen Stelle. Damit wir den gleichen Ausschnitt des Kopfes mit einer längeren Brennweite fotografieren können, müssen wir unseren Abstand zum Model vergrößern.
Brennweite-Kompression-BeispielViele denken, die Brennweite alleine sei entscheidend für die Kompression des Hintergrunds. Ausschlaggebend ist aber, dass wir beim Fotografieren weiter nach hinten gehen und somit unsere Perspektive verändern.

 

Perspektive und Bildwinkel

Der Fleck auf dem wir stehen bestimmt unsere Perspektive und die Brennweite bzw. der Zoom bestimmt den Bildwinkel.

Was Perspektive bedeutet, siehst du gut bei folgendem GIF-Bild von Micaël Reynaud, diese Methode wird auch Hitchcock-Zoom genannt.
Hitchcock-Zoom

Stehen wir näher zum Motiv, ist der Hintergrund perspektivisch weiter entfernt, entfernen wir uns vom Motiv und überbrücken die Entfernung durch eine längere Brennweite, dann „holen“ wir uns auch den Hintergrund näher ran.

Viele denken, dass der Zoom bzw. die Brennweite, die Perspektive macht. Nächste GIF zeigt dir, dass umso länger die Brennweite ist, lediglich in das gleiche Bild hinein gezoomt wird.

Die Perspektive entsteht also da, wo wir stehen und die verwendete Brennweite ergibt den Bildwinkel.

 

Brennweite-Perspektive
GIF-Quelle: Premiumbeat.com

 

Aller Anfang ist schwer

Am Anfang habe ich einige Zeit gebraucht, um alles zu kapieren, also lass dir ruhig Zeit. Falls du noch Fragen hast dann schreib es in die Kommentare. Nun kommen wir aber zum interessanteren Part. 😉

 


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Die Verzerrung bzw. Kompression einer Brennweite gezielt einsetzen

Wir können Brennweiten nicht nur zum Freistellen oder den Räumlichkeiten entsprechend verwenden, sondern auch um unser Model in Szene zu setzen.

 

Brennweite den Gesichts- bzw. Körpertypen entsprechend auswählen

Brennweiten-Gewicht-20-200mm

Vergleich von Dan Vojtech

Im wahren Leben macht es weniger aus, wie all die Proportionen im Gesicht im Verhältnis stehen, aber auf einem Portraitfoto sticht es den Personen ins Auge. Keiner ist so kritisch mit einem Foto, wie die betroffene Person selbst. Denn diese Person kennt ihre Ecken und Kanten und sieht daher ihre Makel auf Anhieb, da kann dein Bild noch so schön sein. Wenn Model, Perspektive und Brennweite nicht zueinander abgestimmt sind, wird ein unzufriedenes Model oft das Resultat sein. Als Fotograf können wir dem etwas entgegenwirken.

 

Die Makel des Menschen in den Griff kriegen

Ich persönlich finde Makel machen eine Person erst interessant, jedoch zeigt meine Erfahrung, dass die fotografierten Menschen und auch das breite Publikum da anders mit umgehen.

Wenn wir Menschen fotografieren, müssen wir uns zuerst ein objektives Bild von dem Model machen. Es ist ganz wichtig, die eigene Sympathie für einen live erlebten Menschen erstmal auszublenden. Oft sehen andere eine Person nicht wie der Fotograf selbst, weil sie die Person eben nicht live erlebt haben. Also machen wir uns klar, was die Makel eines Models sind.

Das Model ist schmächtig, hat eine herausragende Stirn oder schmales Gesicht, eine große Nase oder einen langen Kinn?

Dann nehmen wir nichts Kürzeres als 85mm in die Hand, empfehlenswerter sind 135mm oder sogar länger. Die längere Brennweite gibt dem schmalen Gesicht mehr Fülle, das spitze Gesicht, der lange Kinn oder die große Nase werden komprimiert.

Ein ehrliches Lächeln, das durch ein Gespräch, eine Frage oder mit einem Witz dem Model entlockt wird, macht die Distanz wieder wett. Es mag aber auch sein, dass wir eine gewisse Ferne für unser Bild brauchen. Dann ist ja alles geregelt. 😉

Falls wir die gleiche Kompression des Gesichts, mit mehr Weitwinkel möchten, könnten wir die Brenizer-Methode anwenden, zu der du hier meine Tipps und Tricks findest.

Anders herum ginge es auch. Wenn wir ein makelloses Model fotografieren, was ja auch mal vorkommt, kann ein 35mm oder 50mm Close-Up einem so ziemlich die Sprache verschlagen. Wir dringen dadurch praktisch in die Komfortzone eines Menschen ein. Das Model wirkt vertrauter.

FOD_2991-Bearbeitet-Bearbeitet-Bearbeitet-Bearbeitet-Bearbeitet

 

Passende Brennweite für Mood oder Plastizität/Tiefe

Wenn wir Athleten fotografieren, tun wir dem Model ein gefallen, wenn wir mit einer kurzen Brennweite wie z. B. 24mm bis 35mm fotografieren. Durch die Nähe zum Model und das Verhalten der Verzerrung, werden auch die Muskeln plastischer, also Tiefer dargestellt. Vielleicht fallen dir ja noch weitere Szenarios ein, wo das Vorteilhaft ist.

Die durch unsere Perspektive und den Bildwinkel entstandene Nähe, wirkt dazu auch noch dramatischer und gibt dem Betrachter das Gefühl, selbst in der Halle zu stehen.

fitness

 

Eine Szene, die mit einem Tele-Objektiv aufgenommen ist, wirkt isoliert. Deshalb nutzen wir zum „freistellen“, was ja praktisch eine Isolierung ist, auch eine Tele-Brennweite. Es bringt aber nicht nur den Hintergrund zum Schmelzen, sondern auch unsere Verbindung zum Motiv, wenn auch nur unterbewusst.

Scroll nochmal hoch zu den GIFs. Du wirst merken, dass die Weitwinkel-Aufnahmen sympathischer, ehrlicher und näher wirken, als die vielleicht ästhetischeren Tele-Aufnahmen. Sympathie und Ästhetik könnten nicht ferner voneinander sein, wenn man es aus der Perspektive der Objektivwahl betrachtet. Deshalb muss man Abwegen, wann das eine oder andere wichtiger ist.

Es gibt natürlich auch Modelle, die sowohl mit einem Weitwinkel als auch mit einem Tele, sympathisch und ästhetisch zu gleich aussehen. Dann haben wir natürlich ein leichtes Spiel.

 

close-up

Fazit

Manche Dinge erscheinen logisch, aber waren sie auch schon immer selbstverständlich für dich? Obwohl ich lange Zeit meinte, schon ziemlich fortgeschritten zu sein, habe ich mir keine Gedanken über das Zusammenspiel von Model und Brennweite gemacht. Stattdessen habe ich mich nur auf die Umgebung bzw. den vorhandenen Raum konzentriert. Manchmal lässt es sich nicht ändern, aber die Wirkung einer Brennweite zu kennen, ist doch auf jeden Fall schon mal viel Wert, oder?

Was meinst du, wirst du nun zweimal darüber nachdenken, mit welcher Brennweite du Menschen fotografierst?

 


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3 comments

Lichtrebell 29. Juli 2016 at 15:23

Bei Fragen oder Anregungen sowie Verbesserungsvorschlägen, hinterlasse bitte einen Kommentar. 🙂

Reply
bernie 9. September 2016 at 15:13

super Seite hast da – toller Blog, schön informativ – inbesondere das Thema Brennweite und Gesicht. Schade, dass die Gif´s so schnell laufen
Persönlich ist es mir auch schon aufgefallen – etwas rundlichere Gesichter mit >150 mm eher nein – zu spitze Nasen mit 35 mm auch eher „nein “
Hab das Nikon 35 f1.8G – Preislich halt noch unter dem Sigma – meinst du aus deiner Sicht – im Vergleich wäre das Sigma doch ein Zugewinn?

VG

Reply
Lichtrebell 9. September 2016 at 15:35

Hi Bernie,
erstmal Danke!
Genau, wobei du mit 135mm auch schon gut für spitzere Gesichter gut gewappnet bist. Nicht zuletzt deswegen, steht eine 135er Festbrennweite mit großer Blendenöffnung bei vielen ganz oben in der Liste. Sodass die Mitte mit 50/58mm oder 85mm gerne übersprungen wird. Ich habe z. B. lange Zeit mit 35mm und 135mm fotografiert. Mit einer fetten Lücke dazwischen. Mittlerweile hat sich aber 58mm zu meiner liebsten Brennweite für Portraits gemausert. Nur ist es leider nicht bei jedem Gesichtstypen der goldene Griff und das hast du ja schon richtig festgestellt. 🙂
Ich würde, sofern ich ein 35mm Objektiv habe mit dem ich bislang zufrieden war, nicht noch extra in das Sigma investieren. Die Kunden sehen die Unterschiede nicht, das sind nur wir Fotografen und unsere Liebhaberei. Die Bildbearbeitung ist neben einem guten Auge für Ausdruck, Posing und einer netten Location vielleicht der nächst größte Faktor, damit ein Bild gut wirkt. 😉
Stattdessen würde ich Geld in die Hand nehmen um mal coole Shootingprojekte umzusetzen… z.B. um mal ein Outfit zu mieten oder für Requisieten oder besonderes Make-Up. Das bringt dir 1. fette Bilder und 2. katapultiert das deine Fotografie vielleicht sogar ins nächste Level.
Rebellische Grüße,
der Baris

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