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Lena Fleddermann – Schauspielerin (Fotos + RAW-Entwicklung / Making-Of)

written by Lichtrebell 31. August 2016
Lena Fleddermann

Lena Fleddermann – Schauspielerin

Wir verabredeten uns sehr kurzfristig. Mittags haben wir das erste Mal miteinander geschrieben und am Abend schon für eine Fotosession getroffen. Nach einem kurzen Gespräch zum Kennenlernen ging es dann auch gleich los. Ich merkte schon während des Shootings, dass die Bilder mir gefallen werden. Lena wirkte seit der ersten Minute sehr authentisch auf mich. Der Rest ergab sich dann von selbst.

Vorweg die Fotos:

Kleines Making-Of bzw. die Raw-Entwicklung

Anbei noch die Entstehung eines recht anspruchsvollen Bildes. Erstmal das Ausgangsmaterial als (.DNG Datei / verlustfreie RAW-Umwandlung):

Lena-Fleddermann-UNBEARBEITET-1

und das finale Bild:

Lena Fleddermann

Lena Fleddermann

Wie ich die Belichtung in Lightroom anpasse

Ganz schön dunkles Ausgangsmaterial, wird sich manch einer vielleicht denken. Jupp, so dunkel kommen meine Fotos i. d. R. aus der Kamera, wenn ich mit Available-Light fotografiere.

Ich fotografiere so, dass auf dem Bild möglichst keine Stellen ausbrennen. In der Nachbearbeitung kann ich dann nochmal gezielt „Licht setzen“.

Belichtung-Lena

Der eine oder andere wundert sich evtl. über den Kontrastregler, der auf minus 80 steht. Das liegt daran, dass ich den Kontrast hauptsächlich durch die Gradationskurve und die Option „Dunst entfernen“ regle. Dunst entfernen kitzelt auch nochmal die Reserven aus den Lichtern, kann aber bei mancher Belichtungssituation auch nach hinten losgehen.

lena-hsl-effekte

Auch die Luminanzwerte unter HSL werden gerne übersehen. Dort haben wir die Möglichkeit, bestimmte Farbwerte gezielt heller oder dunkler zu machen. Probier einfach mal damit rum und du wirst schon sehen.

 

Warum ich gezielt unterbelichte

Von der einen Seite, hast du das warme Licht, von der untergehenden Sonne und von der anderen Seite das kühlere Tageslicht. Hätte ich z. B. korrekt auf ihr Gesicht belichtet, so würden auch die Fensterrahmen und die Geländer ausbrennen. Davon mal abgesehen wäre die ganze Lichtstimmung vermurkst. Du würdest den orangen Schimmer von der rechten Seite auch nicht mehr rausarbeiten können. Es wäre eher eine weiße Suppe aus den Fensterbereichen, die dann im schattigen Bereich erst zu einem orange Ton wird.

Das besondere an modernen Kleinbild Kameras wie z. B. der Nikon D750/D800/D810 oder der Sony A7(x), ist ja die Eigenschaft, dass sie einen sehr hohen Dynamikumfang haben. Das heißt unsere Rohdaten haben weitaus mehr Farb- und Lichtinformationen, als uns so ein Vorschaubild oder Jpeg aus der Kamera erstmal vorgaukeln möchte. Denn ein Jpeg ist erstmal nur eine Interpretation der Kamera-Automatiken, auf Grundlage der eingestellten ISO, Blende und Belichtungszeit.

Wir dürfen uns also ruhig trauen auch mal die Dynamik unserer Kameras auszunutzen. Das bedeutet nichts anderes als gezielt dunkler bzw. heller zu belichten, mit dem Gedanken, in der Nachbearbeitung die Details in Licht und Schatten rauszuarbeiten.

Canon Kameras z. B. haben zwar nicht so viel Reserven in den Schatten, dafür aber mehr Reserven in den Lichtern. Also einfach mal etwas mit dem Dynamikumfang der eigenen Kamera beschäftigen. Es muss auch nicht unbedingt Vollformat / Kleinbild sein. Alle modernen Kameras haben reichlich Reserven.

In der Bearbeitung lassen sich die Schatten bei Nikon oder Sony Kameras problemlos wieder hochpushen. In diesem Fall, mehr als vier Blenden. Lokal sogar etwas über 5 Blenden.

 

Da steckt viel gezielte Bearbeitung und feiner Pinselschwung drin

Ich als geübter Nerd, habe allein für dieses Foto ca. 20 Minuten in der Bearbeitung gebraucht. Außerdem habe ich das Bild mehrmals über zwei Tage angeguckt und Verbesserungsmöglichkeiten entdeckt. Das gilt auch für die restlichen Bilder. Ich habe mir angewohnt, die Bilder zwei bis drei Tage auf mich wirken zu lassen. Erst wenn ich sie dann noch gut finde, kommen sie in die Serie.

 

Bokehrama bzw. die Brenizer-Methode

Außerdem ist dir sicherlich die komische Form des Ausgangsbildes aufgefallen. Das Foto besteht aus 23 Einzelaufnahmen die wie ein Mosaik-Bild zusammengesetzt werden.

Hier habe ich Lena erstmal von Kopf bis Knie mit meinem 135mm Objektiv fotografiert. Ungefähr sechs bis sieben Auslösungen. Bis ich sicher war, dass ich genügend ausdrucksstarke Aufnahmen auf der Speicherkarte hatte. Dann erst die Beine und anschließend kreise ich in Form eines Vierecks um sie herum und fotografiere zum Schluss die restliche Umgebung.

Zwischendurch ist eine Gruppe von Leuten, die es nicht grade eilig hatte, von unten hochgekommen. Ich musste ca. 30 Sekunden still halten, bis ich die restliche Umgebung endlich zu Ende fotografieren konnte.

Was sich so Passanten wohl denken, wenn ich wie eine Vogelscheuche mit der Kamera vor dem Gesicht da so eingefroren rumstehe?

Die Aufnahme besteht final aus 23 Bildern. Falls dir die Brenizer-Methode noch nichts sagt, schau doch mal hier rein.

Wie man sieht, haben die Fußgänger mich leicht aus dem Konzept gebracht. Zum Glück könnte ich die schmalen weißen Bereiche sehr leicht retuschieren und keiner hätte etwas gemerkt. 🙂

Dennoch brauchte ich die oberen und unteren Bereiche dann doch nicht im finalen Bild. Am Ende sind von den 23 Einzelaufnahmen ca. 16-18 Fotos effektiv im finalen Bild enthalten.

D-Lighting und andere Automatiken für automatischen Dynamikumfang-Boost

Der eine oder andere nutzt evtl. die D-Lighting Funktion seiner Kamera. Das ist aber nur eine dumme Automatik, die eine schöne Lichtsituation nicht erkennen kann. Sie erhellt oder dunkelt ab, was die Algorithmen als Überbelichtung oder Unterbelichtung deuten.

Falls du noch in den Automatiken deiner Kamera rumgurkst, ist mein kostenloses Grundlagen Training vielleicht etwas für dich. Tipps zur Gestaltung der Bilder findest du hier.

 

Ausrüstung

Dabei hatte ich:

Nikon D750
Voigtländer 58/1.4
Nikon AF-S 85/ 1.4
Zeiss APO Sonnar 135/2

Weitere Infos zu den einzelnen Teilen die ich nutze, führe ich auf meiner Shotkit-Seite auf.

 

Weitere Fototipps

Vielleicht willst du ja gar nicht fotografieren können wie ein Profi,
aber es zu können wäre schon nicht schlecht, oder?
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Guide-final

 

Hat dir der Beitrag gefallen?

Ich kann noch nicht so genau einschätzen, wie weit meine Leser in ihrer Fotografie sind und ich möchte ja nützliches schreiben. Also wenn es noch etwas Tiefer in die Materie gehen darf oder ich noch nicht genug erklärt habe, lass es mich bitte wissen. Freue mich über Kommentare hier im Blog.

Bis denne,
dein Barış

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6 comments

Torsten 31. August 2016 at 21:59

Hey Baris! Sehr anschaulig hast Du Deine Vorgehensweise beschrieben! Tolle Serie!
Eine Frage habe ich da, hab ich es richtig verstanden dass Du zuerst das unterbelichtete Mosaik zusammensetzt bevor Du die Belichtung korrigierst?
Erhält man nicht zwingend nach dem Zusammensetzen der Einzelbilder ein verlustbehaftetes Jpeg aus dem man viel weniger Details holen kann als aus dem Raw?
Ich hätte gedacht dass erst die Belichtung gepusht wird, auf allen Einzelbildern gleich, damit Übergänge kaum sichtbar sind..
Nebenbei frage ich mich wie Du an die ganzen tollen Models kommst.
Schöne Grüße
Torsten

Reply
Lichtrebell 31. August 2016 at 22:16

Moin Torsten, danke erstmal!
Das unterbelichtete Panorama ist eine .DNG Datei! (habe ich im Text mal erweitert) 🙂
Es ist praktisch eine verlustfreie Raw-Umwandlung in das Adobe Format, mit allen Reserven die eine RAW-Datei hat. Das liebe ich an dem Lightroom internen Stitch-Modul.
Die tollen Models finde ich meist über Facebook-Gruppen oder spreche Leute, die ich interessant finde sogar direkt an. Ich bekomme auch viele Anfragen auf Grund von Empfehlungen und kann nicht mal alle annehmen.
Die Bildbearbeitung aus der nächsten Serie werde ich auf Video aufnehmen und erklären. Ich denke da kommt noch das eine oder andere mehr durch.
Gruß,
Baris

Reply
Lukas 1. September 2016 at 8:53

Hi Barış,

über das DSLR-Forum bin ich vor einigen Woche auf Deine Webseite gekommen und besuche Sie seither regelmäßig.
(werde über Facebook informiert, sobald es wieder enue Beiträge gibt)
Eigentlich wollte ich einfach nur mal die Gelegenheit nutzen und mich bei Dir bedanken!
1. dafür, dass Du uns an deinen wirklich umwerfenden Bildern teilhaben lässt (ich mag deinen Bildstil)
und
2. dass Du dein Wissen und Deine Erfahrung damit teilst. Dafür können viele profitieren (mich eingeschlossen).

weiter so! Ich freue mich auf weiter Beiträge, Berichte, Videos und Infos zu deinem Bildaufbau und Postprocessing 🙂

.. eine kleine Anmerkung kann ich mir dann doch nicht verkneifen: [zitat] „erstmal von Kopf bis Knie mit meinem 135mm Objektiv fotografiert“[zitat ende] das Objektiv ist im Abschnitt „Ausrüstung“ gar nicht gelistet 😉

Reply
Lichtrebell 1. September 2016 at 10:49

Moin Lukas, danke für die herzerwärmenden Worte am Morgen und das du den Blog verfolgst! 🙂
Hehe, das gute 135mm Objektiv ist zwar gelistet, versteckt sich aber hinter einer langen Bezeichnung:
„Zeiss APO Sonnar 135/2“
War wohl irritierend weil ich die „mm“ nicht hinter die 135 geschrieben hab?
Grüße,
Baris

Reply
Lukas 1. September 2016 at 14:13

whaaat? o.O ich könnte schwören, dass das zuvor noch nicht da stand 😀 Aber dann hat der Kaffee heute morgen wohl erst deutlich verzögert gewirkt 😀

Viele Grüße,
Lukas

Reply
Lichtrebell 2. September 2016 at 1:21

Das kenne ich nur allzu gut. 😉

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