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Fotografieren mit Blitz schnell erklärt – Gekonnt mit TTL blitzen

written by Lichtrebell 13. Februar 2018
Fotografieren-mit-Blitz-Thumbnail

Fotografieren mit Blitz schnell erklärt – Gekonnt mit TTL blitzen

Fotografieren mit Blitz ist anfangs eine Herausforderung. So auch für mich. Denn schnell sieht ein Foto einfach nur geblitzt aus. Jedoch fällt es mir gar nicht mehr schwer, dieses Spielchen für mich zu gewinnen.

Selbst eine schöne Anmutung der Bilder bleibt mir endlich erhalten. Mit gekonntem TTL blitzen, können wir uns endlich den Gefühlen und Emotionen verschreiben, ohne uns großartig um den Blitz zu kümmern.

Und das beste daran ist, dass ich heute meinen kompletten Workflow mit diesem Tutorial veranschauliche.

Kurz und bündig zeige ich dir meine bewährten Techniken, für herausstechende Event und Party Fotos mit einem TTL-Blitz. Von den Vorbereitungen bis zur finalen Nachbearbeitung in Lightroom.

Fotografieren mit Blitz #1 – Die klassische Methode

Normalerweise steht in Lehrbüchern, dass wir mit einer Belichtungszeit von 1/10 – 1/60 arbeiten können und der Blitz das Einfrieren der Leute übernimmt.

Das Problem der klassischen Methode ist jedoch, dass der Blitz die hauptsächliche Lichtquelle auf das Motiv ist und dadurch der gebügelte, flache Blitz-Look entsteht. Das sieht meiner Meinung nach sehr billig und unästhetisch aus. Klar, jetzt mögen die Verfechter der klassischen Methode auch über meine Herangehensweise bzw. Ergebnisse schimpfen. Aber das mag jeder für sich selbst entscheiden.

Neben dem Look, spricht ein weiterer Punkt gegen die klassische Herangehensweise:

Durch eine langsame Verschlusszeit von 1/10 bis 1/60, wird das Motiv teilweise von der Umgebung belichtet, und bei langsamen Verschlusszeiten werden die Bewegungen einer Person mit im Bild sein. Dadurch kommt es zu einem Unschärfe-Effekt bzw. Doppelkonturen an der Person.

Wenn es keinen künstlerischen Anspruch gibt, steht der klassischen Methode nichts entgegen. Außerdem ist die klassische Methode Equipment freundlicher. So brauchen wir keine Kamera mit lichtstarkem Objektiv, die bei Iso 800 – 1600 oder höher, noch gute Bilder machen kann. Da reicht auch ein Kit-Objektiv und F/5.6 aus.

Die Idee dieses Posts steht ja in der Einleitung. Geblitzte Fotos erhalten die nicht zu geblitzt aussehen. Bei der hier gezeigten Variante, könnte die Belichtung, die ja eigl. vom Blitz kommt, auch von einer Deckenlampe sein.

Fotografieren mit Blitz #2 – Das Ambiente-Licht einbeziehen

Das Ambiente-Licht können wir als Grundelement für unsere Bildgestaltung verstehen. Deshalb ist es wichtig, das Ambiente-Licht korrekt zu messen. So gehe ich vor:

Beim messen des Ambiente-Lichts wird der Blitz noch nicht benutzt.

Als nächstes wählen wir die Blende, die wir überwiegend benutzen möchten. In meinem Fall ist das die Offenblende von F/1.4.

Anschließend nehmen wir die schnellste Blitzsynchronzeit (X-Sync) unserer Kamera. Bei meiner Nikon D750 sind das 1/200 Belichtungszeit. Liegen wir über der X-Sync, verbraucht unser Blitz unnötig mehr Akku-Leistung, bei deutlich weniger Output.

Die ISO-Automatik schalten wir an, denn die richtige ISO möchten wir ja jetzt mit der ISO-Automatik ermitteln.

Jetzt wählen wir nur noch die Spotmessung, damit wir ganz genau die Stellen messen können, die wir gemessen haben möchten:

Nun fotografiere ich in alle vier Himmelsrichtungen und prüfe somit, wie stark sich die Belichtung von Raumseite zu Raumseite unterscheidet.

Dabei wähle ich Punkte, die möglichst von einem Licht angeleuchtet werden. Nicht aber die Lichter selbst, denn dann würde die Kamera ja denken, dass die Stelle sehr hell sein muss und entsprechend gibt sie eine zu niedrige ISO-Vorgabe.

Letztendlich nehmen wir den Mittelwert aus allen Werten und ziehen davon noch eine Blende ab.

Jetzt schalten wir die Belichtungsmessung wieder zurück auf Matrixmessung, denn diese Messmethode hilft dem Blitz stimmig zu belichten:

matrixmessung-symbol

Dadurch, dass wir den Hintergrund um eine Blende unterbelichten, erhält unser Hauptmotiv mehr Präsenz. Außerdem wirken wir ausbrennenden Highlights etwas entgegen.

Nicht vergessen die ISO-Automatik nach der Messung wieder abzuschalten.

ISO 1250 – 1/200 – F/1.4 – Sigma ART 35/1.4:

Fotografieren mit Blitz #3 – Rauschen bei hohen ISO vermeiden

Bildrauschen entsteht wenn Pixel nicht genug Licht bekommen.

Es ist nicht nur der Umstand, dass wir die ISO erhöht haben. Oft erhöhen wir die ISO ja nur, weil generell wenig Licht vorhanden ist.

Und das ist der Hauptgrund, der das Rauschen sichtbar macht:

Zu wenig Licht.

Um dem entgegen zu wirken, MÜSSEN wir blitzen.

Folgend ein Extrembeispiel, wo ich auf ISO 5600 gehen musste, damit überhaupt ein wenig Ambiente Stimmung mit auf dem Bild ist. Dennoch habe ich durch den Blitz dort hin Licht gebracht, wo keines ist, sodass mein fokussiertes Motiv nicht verrauscht aussieht.

ISO 5600 – 1/200 – F/2.0 – Sigma ART 85/1.4:

Fotografieren mit Blitz-3

Fotografieren mit Blitz #4 – Die Blitzbelichtungskorrektur ist essentiell

Unseren Blitz regeln wir je nach Ausrichtung unterschiedlich. Gegen die Decke blitzen wir, je nach Deckenhöhe und Farbe, mit +0,3 bis 1,5 Blenden Korrektur. Das regeln wir in der Belichtungskorrektur unseres Blitzes. Jeder TTL-Blitz verfügt über dieses Feature.

Fotografieren mit Blitz Blitz-Belichtungskorrektur
Fotografieren mit Blitz Blitz Knopf Kamera

Da müssen wir uns Vorort einfach rantasten, da Deckenhöhen und -farben zu Variationen führen können.

Wenn wir direkt blitzen, müssen wir den Biltz etwas runterregeln. Besonders wenn wir eine Softbox benutzen. Da der TTL-Vorblitz durch eine Softbox abgemildert wird, übersteuert der Blitz.

Um dem entgegenzuwirken, müssen wir die Blitz Korrektur-Automatik um ca. 1 bis 2 EV runterregeln, sodass wir am Ende eine genaue Belichtung erhalten.

 

Fotografieren mit Blitz #5 – Spitzlichter nicht ausbrennen lassen

Beim direkten Blitzen sollten wir möglichst nicht unter- oder überbelichten. Bezüglich einer Unterbelichtung wissen wir ja jetzt um das Bildrauschen.

Bei einer Überbelichtung hingegen, werden die Reflektionen auf der Haut zu stark. Das bedeutet mehr Retusche, was ich mir gerne erspare. Also gebe ich mir Mühe, die Belichtung schon bei der Aufnahme richtig hinzubekommen.

Dafür bekommen wir schnell ein Gefühl. Und haben wir die Belichtungskorrektur unseres Blitzes erstmal eingestellt, klappt das auch mit der TTL-Automatik.

ISO 1250 – 1/200 – F/1.4 – Sigma ART 35/1.4

Fotografieren mit Blitz #6 – Nie wieder ohne meine Softbox!

Richten wir unseren Blitz direkt auf Menschen, sollten wir einen Diffusor verwenden. Hier würde ich zur Weiwa Mini Softbox mit 20cm Durchmesser greifen. Für den Preis können wir nichts falsch machen:

So eine Softbox mildert die Spitzlichter auf der Haut deutlich ab. Dabei akzentuiert das Blitzlicht die Person(en) bzw. unser Motiv und verleiht Schärfe und Licht in den Augenhöhlen. Ich benutze die Softbox in der Regel auf der Tanzfläche, da ich dort öfter direkt blitze, um so Spielereien wie diese zu machen:

Die Einstellungen der Bilder sind: ISO100 – F/8 – 1,3 Sekunden Belichtungszeit. Den Blitz müssen wir dafür auf den zweiten Verschlussvorhang einstellen. So wird erst die Bewegung aufgenommen und am Ende der Belichtung löst der Blitz aus, um die Bewegung der Person(en) einzufrieren.

Einfach gerade oder kreisförmige Bewegungen ausprobieren und dafür sorgen, dass am Ende der Blitz die Leute auf der richtigen Seite einfriert.

Das kannst du mit den Einstellungen genau so nachmachen.

Leider kann man auch nicht immer gegen die Decke blitzen. Zum Beispiel wenn die Decke schwarz ist oder extrem hoch und dazu noch dunkel. Alles schon gehabt.

Auch dann müssen wir direkt blitzen. In solchen Szenarien ist ein Diffusor unerlässlich.

 

Fotografieren mit Blitz #7 – Wenn wir gegen die Decke blitzen

Richten wir unseren Blitz gegen die Decke, benötigen wir keine Softbox. Das ist auch meine liebste Art zu blitzen, da es simpel und effektiv ist.

Falls dein Blitzgerät so ein Kärtchen hat, solltest du es herausziehen. Die Empfehlungen weiter unten haben alle dieses Kärtchen.

Fotografieren mit Blitz - Blitz Kärtchen
Dieses Kärtchen reflektiert etwas Licht nach vorne, und erhellt die Gesichter der Menschen etwas mehr. Außerdem erhalten wir Catchlights in den Augen, wodurch sie viel lebendiger aussehen.

 

Fotografieren mit Blitz #8 – Kontinuität durch ein TTL-Systemblitz mit AF-Hilfslicht

Auch wenn unser Objektiv eine Offenblende von F/1.2 hat, gibt das vorhandene Umgebungslicht kein Garant für konstante Resultate. Wo kein Licht ist, gibt’s eben nur verrauschte Bilder.

Das Autofokus-Modul unserer Kamera, findet bei schlechten Lichtbedingungen auch nicht konstant das Ziel.

Deshalb finde ich einen Blitz für Events und Partys unerlässlich.

Ein Blitz bringt uns reproduzierbares Licht, auf das wir uns verlassen können. Nicht zuletzt durch ein eingebautes Autofokus-Hilfslicht. Mit einem Autofokus-Hilfslicht eines Systemblitzes, bekommen wir die dunkelsten Ecken fotografiert und der Autofokus unserer Kamera arbeitet mühelos.

Also nehmen wir unser Schicksal mit einem Blitz selbst in die Hand, oder?

Hier einige Vorschläge für sehr gute TTL-Systemblitze:

Nikon SB-700

Das Nikon SB-700 Blitzgerät ist kompakt, hat reichlich Power und das beste Knopf und Menü Design, das Nikon zu bieten hat. Wirklich sehr intuitiv und schnell regelbar. Als Nikon Nutzer, mein persönlicher Lieblings-Blitz. Absolut geeignet für Aufnahmen im Dunkeln. Der Blitz wird meist mit weniger als die Hälfte der Leistung arbeiten. Mehr Power brauchen wir nur, falls der eigene Stil das erfordert. Beispielsweise um Kontraste bei starkem Sonnenlicht abzumildern.

 

Canon 430EX III-RT Speedlite

Der Canon 430EX III-RT ist gleichwertig zum Nikon SB-700. Wer Canon nutzt kann hier zugreifen.

Metz Mecablitz M400

Bei Fuji, Sony, Pentax oder Olympus würde ich zum Metz Mecablitz M400 greifen. Dieser beinhaltet statt dem roten AF-Hilfslicht eine Videoleuchte, die ebenfalls als AF-Hilfslicht dienen kann.

Zusätzlich können wir auch Videos in einer Entfernung von ca. 1-1,5m gut ausleuchten, ohne ein weiteres Videolicht dabei zu haben.

Der Metz steht den Canon und Nikon Blitzen nicht nach und ist sogar rund 30% kompakter gebaut. Über einen USB-Anschluss kann man den Blitz mit Updates füttern.

 

Fotografieren mit Blitz #9 – Die Lichtsetzung

Bei Events und Partys ist auf eigene Faust unmöglich, perfektes Licht zu setzen. Oft müssen wir in der Nachbearbeitung etwas nachhelfen. Das mache ich mit Lightroom. Falls du ein anderes Programm benutzt, wirst du sicherlich ähnliche Tools haben, um auf das gleiche Ergebnis zu kommen. In Lightroom lenke ich durch nachträgliches Licht setzen bzw. reduzieren, die Augen des Betrachters dort hin, wo ich sie haben möchte.

Wohin sollen wir gucken? Was will das Bild ausdrücken?

Bei einigen hier gezeigten Beispielen war die Location die den Hintergrund ausschmücken würde nicht besonders, also habe ich sie kurzerhand durch Unterbelichtung ausgeblendet, sodass nur noch die Lichter die Location andeuten und das Auge eher bei den Emotionen der Menschen bleibt.

In meinem Fokus sind daher Gefühle und Emotionen. Alles was drum herum passiert soll dazu beitragen, den Moment zu verstärken. Deshalb dunkle ich unbedeutende Bildinhalte bei Event- und Party-Fotos gerne ab, sodass sie weniger ablenken.

Weniger ist mehr.

Das ist (m)eine Grundregel, die für alle Bereiche der Fotografie gilt. Vielleicht sollte ich es mal an meine Decke im Schlafzimmer schreiben? 😉
Fotografieren mit Blitz-2

Fotografieren mit Blitz #10 – Die Nachbearbeitung in Lightroom

Nach dem Import der Bilder, wende ich mein Lichtrebell-Party-Preset an, sodass ich nur noch die Helligkeits und Kontrastregler je nach Bild anpassen muss.

Ist das getan, nehme ich mehrere Verlaufsfilter, meist zwei bis vier verschiedene und ziehe sie von links, rechts sowie oben und unten ins Bild. Halt so, dass die Augen dorthin gelenkt werden, wo ich sie haben möchte.

Oft ragen Arme und Hände ins Bild, die ich da ungern haben wollte. Etwas abdunkeln bewirkt dann schon wunder.

Ich werde noch ein Video dazu erstellen und im Detail auf Einzelheiten eingehen. Dafür solltet ihr ein Abo mit Klingel auf meinem YouTube Kanal hinterlassen, um es nicht zu verpassen.

Hier mal einige Vorher/Nachher Beispiele als Inspiration für die eigene Bildbearbeitung:

 

 

 

 

 

Call to Action

Ich hoffe du konntest dem Beitrag etwas abgewinnen.

Nach diesen 10 Punkten sollte dir das Fotografieren mit Blitz in Zukunft hoffentlich leichter fallen.

Ich arbeite kontinuierlich daran, dein Erlebnis auf meinem Blog zu verbessern. Und mit deinem Kommentar hast du die Möglichkeit die Zukunft des Blogs mitzugestalten. Also hinterlasse doch eine Nachricht und schreib mir auch, welches Thema dich besonders für kommende Beiträge interessiert.

3…2…1… Hau in die Tasten. 😉

Bleib großartig,
Barış

 

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6 comments

Bernhard 15. Februar 2018 at 8:23

Gefällt mir super gut, sehr schön und nachvollziehbar erklärt.

Reply
Lichtrebell 15. Februar 2018 at 10:36

Top, danke Bernhard.

Reply
jörg eberl 17. März 2018 at 17:04

hoffe Kommentar kam an,sorry für späte antwort,krankheit.
war ganz doll,vor allem auch die Dokumentation und die dazugehörigen komentare.
recht herzlichen dank.
bitte um nachsicht meiner schreifehler,aber ich wohne hier in der westschweitz,und sprechen hier franzsisch.

Reply
Lichtrebell 17. März 2018 at 19:18

Gute Besserung uns beiden Jörg, bin selbst auch erkältet, was schon seit gut 3 Jahren nicht mehr vorkam. Da geht gerade eine sehr infiziöse Grippewelle durch die Länder.
Freut mich das dir der Beitrag geholfen hat und schön zu wissen das ich Leser aus der westlichen Schweiz habe! :-))

Herzliche Grüße
Baris

Reply
Christian Hoppe 22. März 2018 at 15:14

Ein sehr gut geschriebener und informativer Beitrag!
Ich würde von dir gerne noch wissen wie oft du bei den hier gezeigten Fotos gegen die Decke geblitzt hast. Ich habe im Regelfall gerade auf Partys das Problem, dass ich beim Blitzen gegen die Decke die gesamte Lichtstimmung zertöre, weshalb ich meist direkt blitze. Der Grund für das Zerstören der Lichtstimmung ist, dass die Lichter des DJs im Regelfall nur ein paar Meter vom Motiv entfernt sind, Blitze ich dann gegen die Decke werden die (meist Weißen Wände) die vom DJ beleuchtet werden genau so stark aufgehellt wie das eigentliche Motiv.

Reply
Lichtrebell 22. März 2018 at 17:55

Hallo Chris,
wenn du beim gegen die Decke blitzen die Lichtstimmung zerstörst, solltest du folgende Schritte ausprobieren:
1. ISO leicht erhöhen.
2. Eine negative Blitzbelichtungskorrektur in dein Blitzgerät eingeben. Ich nehme da meist einen Wert von -0,7 EV und taste mich langsam an das Optimum ran. Später in der Nachbearbeitung können wir kleine Unterschiede leicht korrigieren. Vorausgesetzt wir haben RAW fotografiert.

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