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Der Brenizer Effekt entlarvt – Die Brenizer Methode gekonnt anwenden

written by Lichtrebell 19. Juli 2016

Der Brenizer Effekt entlarvt – Die Brenizer Methode gekonnt anwenden

Die Brenizer Methode ist eine Panoramatechnik, mit dessen Hilfe wir eigentlich undenkbare Unschärfe-Spielereien in eine weitwinklige Fotoaufnahme bringen.

In diesem Beitrag zeige ich, wie wir typische Fehler verhindern können und ganz einfach diese Methode – gekonnt – anwenden.

 

Begriffsklärung – Panorama

Ein Panorama ist ein Bild, das aus mehreren Fotos zusammengesetzt wurde. Panorama-Techniken werden eingesetzt, wenn wir mehr fotografieren möchten, als uns ein Einzelfoto ermöglicht. Grund dafür ist z.B., dass unsere Kamera-Objektiv-Kombination nicht die gewünschte Fläche mit nur einem Foto abdecken kann. Folgend eine Veranschaulichung mit zwölf Einzelfotos. Sie werden nahtlos zusammengenäht und ergeben dann ein Panorama. Die Anzahl der Einzelbilder bestimmst du selbst, bzw. wählst eine Bildanzahl passend zu deinem Motiv.

Brenizer-Lightroom

 

Der Unterschied zu einem normalen Panorama

Die in diesem Beitrag behandelte Brenizer Methode ist zwar auch eine Panorama-Technik, jedoch liegt der Zweck nicht in der Vergrößerung der Aufnahmefläche. Wir nehmen absichtlich ein Tele-Objektiv, um die Unschärfebereiche charmanter zu machen.

 

Kamera- & Objektivauswahl

Damit wir die Brenizer Methode anwenden können, brauchen wir als erstes eine digitale Kamera mit kurzem oder längerem Tele-Objektiv. Umso lichtstärker, desto besser.

An einer Vollformat bzw. Kleinbild Kamera wären Objektive ab 85mm F/1.8 empfehlenswert. Bei einer Kamera mit APS-C oder Micro Four Thirds Sensor muss man die Objektivwahl, dem Cropfaktor entsprechend, anpassen. Auf die Brennweite gehe ich gleich noch genauer ein.

 

20 Bilder – 135mm – F/2.0 (ca. 33% Überlappung der Einzelbilder)15 Fotos_135mm_F2

 

Wichtige Kamera-Einstellungen

Für ein Panorama ist es immer wichtig, den manuellen Modus der Kamera einzuschalten. So stellen wir sicher, dass alle Fotos gleich belichtet sind und zueinander passen.

Falls du dich mit den manuellen Einstellungen noch nicht auskennst, empfehle ich dir meinen Beitrag: Fotografie Grundlagen #1 – Das magische Dreieck.

 

20 Bilder – 85mm – F/1.4 – (Schärfeebene nicht optimal auf beiden Gesichtern. Trotzdem mag ich es)20_Bilder_ 85mm_F1_4

 

Die Software für die Brenizer Methode

Bevor deine Bilder im Stapel deiner Software landen, solltest du die Objektiv-Vignettierung entfernt haben.

Als Software nutze ich wenn möglich, die ganz normale Panorama-Funktion in Lightroom CC. So erhalte ich die Bilder im DNG-Format mit allen RAW Bildinformationen. Das klappt aber meist nur, wenn die angehenden Panoramen sauber fotografiert wurden.

Wenn es mit Lightroom nicht klappt und das kommt häufiger vor, dann nutze ich den kostenlosen „Image-Compositor-Editior“ von Microsoft. Wo Lightroom eine Fehlermeldung ausgibt, bekomme ich vom ICE sogar ein Ausgangsbild, selbst wenn es sichtliche Fehler gibt. Kleinere Fehler können wir mit Photoshop retuschieren. Größere mit etwas Zeitaufwand auch.

Aber manchmal, wenn es doch Bewegung im Bild gab, z.B. das Model bewegte den Arm, und die Bildpunkte praktisch verschoben sind, kann es zu stärkeren Bildfehlern kommen. Das versuche ich dann in Photoshop durch halbautomatisches Überblenden der Ebenen und Retuschieren gerade zu biegen.

Aber zu über 90% klappt es schon mit Lightroom bei mir. Der Erfolg der Technik ist größtenteils Übungs- und Kommunikationssache mit den Models.

 

15 Bilder – 135mm – F/2.815 Shots_135mm_F2_8

 

Der Parallax-Effekt bei der Brenizer Methode

Wenn wir das erste Foto für unser Panorama schießen und dann unser Objektiv nach links oder rechts schwenken, ändern wir unsere Sichtlinie zum Horizont. Dadurch „verschieben“ wir auch alle Dinge, die in unserer Sichtlinie in unterschiedlicher Entfernung voneinander stehen.

An folgender Animation sehen wir die perspektivische Verschiebung, insbesondere zwischen den Bäumen und der Berge.

Parallax-scroll-example
GIF-Bild von Jens Ayton

Wenn wir aus der Hand fotografieren, wird bei der Brenizer-Methode dieser Parallax-Effekt zu einem gewissen Grad verursacht. Selbstverständlich erfährst du hier, wie wir das Problemchen weitestgehend eindämmen können.

 

12 Bilder – 135mm – F/4.012 Bilder_135mm_F4

 

Die korrekte Brennweite für die Brenizer Methode wählen

Die Brennweite beeinflusst maßgeblich den Ausmaß des Parallax-Effekts und von Verzerrungen.

Anhand folgender Grafik, möchte ich den Schwenk-Winkel demonstrieren. Umso näher wir zum Motiv stehen, desto mehr müssen wir die Sensor-Achse herum schwenken. Dadurch kann es schneller zu diesen o.g. Verschiebungen sowie Verzerrungen kommen. Deshalb ist es gut, einen gewissen Abstand zum Motiv zu bekommen.

Bei 50mm sind wir schon im kritischen Bereich. Ab 85mm+ kommen wir in einen empfehlenswerten Bereich. Ich mache meine Brenizer meistens mit einem 135mm 2.0 oder 85mm 1.4 Objektiv an Kleinbild bzw. Vollformat.

Haben wir eine lange Brennweite, ermöglicht sie uns weiter weg vom Motiv zu stehen und in schmaleren Winkeln zu schwenken. Dadurch dämmen wir die Problematik mit dem Parallax-Effekt und auch Verzerren ein.

Parallax-Effekt-Brennweiten-Beispiel

 

 

Wie wir Verzerrungen vermeiden

Wenn wir merken, dass der Schwenk zu groß ist, gehen wir lieber einen Schritt zurück. Können wir keinen Schritt zurück, lieber die Brennweite verkürzen und von z.B. 135mm auf 85mm wechseln.

Sehr wichtig: Die Farben in folgender Grafik stellen die Verzerrungszonen dar. Der Ausganspunkt, also das erste Foto in der Mitte stellt idealerweise die parallele optische Fläche von Kamera-Sensor zu Motiv dar. Eine Person oder Sache füllt für diese Definition gedanklich ein Drittel der Bildfläche aus, je nachdem wie groß unser Bild wird.

Im grünen Bereich können wir sicher sein, dass keine Verzerrung entsteht. In der gelb markierten Region sind wir noch sicher, wenn der Winkel nicht schon zu steil ist. Nehmen wir die roten Bereiche auch noch mit rein, ist ein verzerrtes Bild sehr wahrscheinlich.

brenizer-bildaufbau

 

Die Bildproportionen bei der Brenizer Methode beachten

Bei der Brenizer Methode sollte ein Drittel der Bildreihen für die Person sein und die anderen für die Umgebung. Bei einem 1/3 zu 2/3 Verhältnis können wir noch von Portrait sprechen. Wenn zwei von den neun grünen mit einer Person ausgefüllt werden, sprechen wir von einem Environmental-Portrait. Alles kleiner als dieses Verhältnis ist mehr ein Portrait der Umgebung, als von einer Person oder Sache. 🙂

15 Bilder_135mm_F2


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Der „Brenizer-Effekt“ und sein Ursprung

Viele Personen im Internet sprechen vom sogenannten „Brenizer-Effekt“.  Kennst du noch den HDR-Effekt, der heute richtig verteufelt wird? 😉

Um zu verstehen wofür diese Methode eigentlich dienen soll, reisen wir kurz zurück in die Vergangenheit.

Die Brenizer-Methode entstand aus der Not heraus. Das Problem war, dass der Herr Ryan Brenizer, in New York City, oft in engen Räumen, Personen fotografieren musste. Er wollte aber nicht sein Weitwinkel Objektiv benutzten, wenn er Menschen in solchen Räumen fotografiert. Ihm fehlte es dann am gewissen Charme. Deshalb fing er an mit einem 85mm Objektiv mehrere Fotos zu schießen und sie dann mit Software zu stitchen.

Ryan Brenizer war derjenige, der diese Methode populär machte. Deshalb wird die Methode auch, die Brenizer Methode bzw. auf Englisch „The Brenizer Method“ genannt. Auch bekannt als Bokehrama oder Bokeh Panorama.

Diese Methode soll eigentlich nur erlauben, charmante Vorder- und Hintergrund Unschärfe auf Bildern zu ermöglichen, die mit einem Weitwinkel Objektiv, in dieser Art, nicht möglich wären. Viele Personen sprechen jedoch von einem sogenannten „Brenizer-Effekt“ und meinen damit eine Fehlinterpretation der eigentlichen Sache. Dadurch ist dieser überzogene Effekt in den Vordergrund gerückt, wo auf den Bildern meist nur noch kleine Mini-Leute abgebildet werden, die man kaum noch erkennt.

Wir überdrehen die Methode, wenn wir zu viele Bilder in einer vertikalen als auch horizontalen Reihe machen. Zusammengefügt sieht es dann aus wie ein Miniatur-Effekt.

Auch wenn es manchmal schön anzusehen ist, sollten wir dann vielleicht von Miniatur-Effekt-Methode sprechen.

 

Ausnahmen bestätigen die Regel

Zum Beispiel wenn wir eine schöne Komposition der Landschaft hinbekommen. Dann macht sich dieser überzogene Effekt auch mal ganz gut, wie ich mit dem nächsten Bild zeige.

Je nach Stärke der Überlappung und Größe des Motivs, bringen i.d.R. 9 bis 27 Fotos die besten Bildergebnisse. Aber auch Panoramen mit 50 Bildern oder nur 5 Bildern in einer Reihe können gut werden. Die Tendenz geht jedoch in Richtung weniger ist mehr. Deshalb mal folgend ein 50 Bilder Panorama und ein Ausschnitt daraus zum Vergleich. Schreib mir gerne in die Kommentare welches der beiden du besser findest:

45 bis 50 Bilder – 135mm – F/2.0Brenizer Methode_Kreideküste_Rügen_full

Gleiches Bild beschnitten auf ca. 20 Bilder.Brenizer Methode_Kreideküste_Rügen

Hier noch ein Einzelbild aus dem Panorama. Ich empfehle ca. 30% Überlappung bei den Bildern. Brenizer Methode_Kreideküste_Rügen-Einzelbild

Folgend Beispiele mit nur 5 Bildern, vertikal in einer Reihe aufgenommen.

5 Bilder – 135mm – F/2.0Brenizer Methode_5 Fotos_135mm_F2

5 Bilder – 135mm – F/2.0Brenizer Methode_5 Bilder_135mm_F2-2

5 Bilder – 135mm – F/2.0Brenizer Methode_5 Bilder_135mm_F2

 

Meine missglückten Makro-Brenizer

Als ich das mit dem eigenen Abstand und der Verzerrung noch nicht wusste, bin ich auch mal auf die Idee gekommen, mit einem 105mm Makro aus kürzester Distanz einen Brenizer zu versuchen. Ich erhoffte mir einen stärkeren „Brenizer Effekt“. Heraus kam etwas Besonderes. Personen mit Eierköpfen. Wie mit einem Fisheye aus kürzester Nähe.

Ja, auch ich war auf dem Effekt-Trip.

Die Brennweite dürfen wir also nicht als Allheilmittel verstehen, es geht einfach nur um den eigenen Abstand zum Motiv, weil es das Ausmaß des Schwenkwinkels beeinflusst.

 

Meine Vorgehensweise

Bevor ich mit dem Brenizern anfange, schaue ich mir den Hintergrund ganz genau an. Ich suche führende Linien, Symmetrie und Fluchtpunkte. Dann überlege ich mir, ob es ein Halbkörper Porträt oder Ganzkörper Porträt werden soll.

Wenn das entschieden ist, schaue ich durch meine Linse und mache klar, dass ich mindestens die Hälfte des Körpers mit nur einem Foto abdecke. Manchmal bin ich auch etwas gemütlich und versuche das schon mit nur einem Foto zu klären.

Jetzt steht die Bildkomposition fest. Nun weise ich mein Model an, bespreche die Pose.

Wenn das geklärt ist, fotografiere ich am liebsten erst die Kopf bis Hand Regionen mehrere Male, da sich diese Körperteile am häufigsten Bewegen. Erst wenn ich denke, dass ich schon einige gute Gesichtsausdrücke vom Model erwischt habe, führe ich meine Kamera Richtung Beine und kreise anschließend um den Körper der Person.

Da wir uns vorher Gedanken um die Komposition gemacht haben, wissen wir ja wo unsere obere sowie untere Kante sein soll. Dementsprechend fotografieren wir auch nur bis zu diesen Punkten und sparen uns überflüssiges Datengemenge.

Wenn ich mit der Person fertig bin, gebe ich ihr ein Zeichen zur Entspannung. Jedoch muss die Person an der gleichen Stelle bleiben, damit ich meinen Anhaltspunkt nicht verliere. Dann fotografiere die gewünschte Umgebung mit dazu. Erst zur Linken der Person und danach zur Rechten der Person.

Meine Kamera ist dabei in vertikaler Position, außer ich Dussel denke mal nicht daran. So hatte ich bisher weniger Probleme mit dem Parallax-Effekt und musste nachträglich deutlich weniger in Photoshop korrigieren.

 

14 Bilder – 135mm – F/4.014 Bilder_135mm_F4

 


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Wichtige Objektiveigenschaften

Euer Objektiv sollte wenn möglich von Bildkannte zu Bildkannte möglichst gleichmäßige Schärfe aufweisen.

Hier nochmal der Hinweis, die Objektiv-Vignettierung in den Bildern zu entfernen, bevor sie im Stapel der Software landen.

Meine genutzten Objektive sind das Carl Zeiss APO Sonnar T* 135mm F2.0 Objektiv oder Nikon AF-S 85mm 1.4G Objektiv. Das Zeiss ist offenblendig durchgehend scharf.  Beim Nikon 85 1.4G blende ich meistens auf Blende F/2.0~2.2 ab, aber mit 30% Überlappung machen auch die leicht unschärferen Ränder bei F/1.4 nichts aus.

Günstige und sehr gute Alternativen sind das Samyang 135mm F2.0 Objektiv oder die jeweiligen 85mm 1.8 Objektive der Hersteller.

 

12 Bilder – 135mm – F/2.0Brenizer-Method

Schlusswort + weitere Inspirationen

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Hier findest du weitere Inspirationen zur Brenizer Methode.

Rebellische Grüße,
dein Barış

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4 comments

Lichtrebell 19. Juli 2016 at 17:23

Hinterlasse hier dein Kommentar. Rebellische Grüße!

Reply
Arne 20. Juli 2016 at 16:21

Hallo,
Schöne Bilder! Ich kenne die Methode schon, allerdings fehlen mir gerade für Leute, die noch nie davon gehört haben, einige grundsätzliche Einleitungsworte:
– was ist eine Panoramatechnik
– was unterscheidet Brenizer vom klassischen Querformat Panorama-Stitching
– Methode anschaulich zeigen: z.B. direkt im ersten Bild über Roll-Over beispielsweise kleine Rahmen andeuten, die die einzelnen Bilder symbolisieren, dann wird es klarer. Es wird erst nach 2/3 Lesen klar (bei dem -grün-gelb-roten Schema), dass es sich um eine „Mosaiktechnik“ handelt. Das sollte früher kommen.
Und dann noch ein paar Fragen:
– Wo startest du? Wie merkst du dir, wo du schon warst?
– Hat sich bei dir ein „Pfad“ etabliert?
– Wieviele Fotos sollten maximal die Person „bedecken“? (deiner Erfahrung nach)
Vielen Dank!
Arne

Reply
Lichtrebell 21. Juli 2016 at 14:59

Hallo Arne, ich finde deine Kritik sehr gut, vielen dank!

Ich habe deine Punkte soeben ergänzt.

Danke nochmal, hoffe du bleibst am Ball und schaust mir ordentlich auf die Finger. 🙂

Reply
Arne 22. Juli 2016 at 12:29

Gefällt mir jetzt noch besser! So kommt mehr von deinem Workflow rüber, muss ich auch mal probieren!
Grüße

Reply

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